Was ist Lernen ? Ich und Du: Individuelle und gesellschaftliche Dimensionen selbstbestimmten Lernens (Tomas)

Hinhören!

Was hieße denn: Hinhören ?

Hinhören hieße, hinzuhören, wenn sich eine innere Stimme meldet, die mir sagt, was ich lernen will.

Hinhören hieße, zuzuhören, wenn sich ein Bedürfnis meldet, das mir sagt, wie ich lernen will.

Hinhören hießet auch: das beobachten, erforschen und erfahren, was ich lernen möchte.

Hinhören hieße, mir meine eigene Beziehung zum zu Lernenden selbst zu schaffen, nur begrenzt durch das eigene Potenzial, nicht aber etwa durch Verwaltungs- und Studienvorschriften.

Lernen als Beziehung

Wenn Lernen wesentlich von der Beziehung zum zu Lernenden lebt, dann ist Lernen auch: Beziehung. Wie gestalte ich diese Beziehung ? Wie gestalte ich meine Beziehungen: Liebevoll ?

Die liebevolle Lernbeziehung

Wie sähe eine liebevolle Lernbeziehung, wie sähe ein liebevoller Bezug zum Lernen aus ?

Verträgt eine liebevolle Beziehung Druck und Zwang ?

Verträgt sie Vorschriften ?

Verträgt sie Bestehen auf Gehorsam ?

Damit ich mir diese, meine eigene, vielleicht auch liebevolle Beziehung zum Lernen schaffen kann, brauche ich Raum und Zeit:

Ich muss Raum und Zeit haben, zu beobachten, zu erforschen, was das denn eigentlich für mich ist und bedeutet, was ich da lernen möchte.

Ich muss Raum und Zeit haben, zu beobachten, zu erforschen, was das denn eigentlich ist und bedeutet, was ich da lernen möchte.

Der Vorzug von Funktionieren und Gehorsam lässt der Liebe weniger Raum

Bloßes Bestehen auf Auswendiglernen, Funktionieren und Pauken lässt mir keinen Raum und keine Zeit, zu beobachten, zu erforschen, was das denn eigentlich ist und bedeutet, was ich da lerne.

Bloßer Lerngehorsam lässt mir keinen Raum und keine Zeit, zu beobachten, zu erforschen, was das denn eigentlich für mich ist und bedeutet, was ich da lerne.

Oft schon wurde beklagt, welche Folgen es hat, wenn Menschen vorwiegend funktionieren, und der Blick verloren geht für das, was das eigentlich bedeutet und für sie bedeutet, was sie da tun. Als eine dieser Folgen vorwiegenden Funktionierens ohne persönlichen, Bezug zum eigenen Tun wird auch Krieg gesehen.

Selbstbestimmung öffnet den Weg vom „Ich!“ zum „wir

Wenn ich selbst erforsche und beobachte, was das denn eigentlich ist und bedeutet, was ich da lerne, wenn ich selbst erforsche und beobachte, was das denn eigentlich für mich ist und bedeutet, was ich da lerne, dann ist von dort aus ist der Schritt zur Frage, was das denn eigentlich für andere ist oder sein könnte, oder was es denn für andere bedeutet oder bedeuten könnte, was ich da lernen will, nicht mehr weit.

Was könnte es für andere bedeuten, wenn ich das lerne ?

Könnte mein Lernen anderen Möglichkeiten schaffen ?

Könnte durch mein Lernen anderen Möglichkeiten geschaffen werden, die sie so ohne mein Lernen vielleicht nicht hätten ?

Hat oder hätte mein Lernen Nutzen für andere ?

Auch alle diese Fragen tauchen auf, wenn ich mir Gedanken über meine ganz eigene Beziehung zu dem mache, was ich lernen will.

Die Freiheit der Selbstbestimmung öffnet einen freien Bezug zum Du

Wenn ich mir die Freiheit nehme, diese Beziehung zum zu Lernenden freiwillig zu einer ganz persönlichen, individuellen zu machen, dann wächst damit auch meine Lust, andere an dieser persönlichen Beziehung teilhaben zu lassen. Ganz natürlich wächst dann mein Bedürfnis, anderen von meiner so persönlichen Erfahrung zu erzählen und mich mitzuteilen und schon ist damit der Same zum Lehren gelegt, schlicht aus dem menschlichen Bedürfnis heraus mitzuteilen, was mich bewegt.

Was mich bewegt, will ich auch mitteilen

Wozu ich eine individuelle Beziehung aufbauen kann, das kann mich auch bewegen. Wozu ich meinen eigenen Bezug aufbauen konnte, kann mich berühren. Was mich bewegt und berührt, das möchte ich gerne mitteilen, sei es in Schriftform, im Erzählen, oder in einer anderen Form des Mit-Teilens.

Selbstbestimmtes Lernen => Neue Freiheit der Lehre

Schön ist, wenn sich zu einer so verstandenen Freiheit des Lernens dann auch eine neu verstandene Freiheit des Lehrens gesellt:

nur wen wirklich interessiert, was ich da mitzuteilen habe und wie ich es mitteile, nur der wird mir auch freiwillig zuhören wollen.

Es gibt bei so verstandener Lehre aus selbstbegeistertem Mitteilen keine Zuhörverpflichtung mehr !

Neue Freiheit der Lehre schenkt die Freiheit des Hinhörens

Wenn es also die Freiheit des Hinhörens gibt, gibt es auch die Freiheit vom Zuhören. Wenn ich also selbst mir das Lernen gestalte und mir dafür Raum zum Hinhören gebe, dann gehört dazu auch, dass ich anderen den Raum zum Hinhören gebe, statt sie zum Zuhören zu zwingen. Wenn die Lernenden sich die Lehre selbst gestalten, dann bestimmen sie selbst, wen sie als Lehrenden hören wollen. So entspräche der Freiheit des Lernens eine neu verstandene Freiheit der Lehre. Diese so verstandene Freiheit der Lehre bestünde darin, selbst zu entscheiden wem man denn wann zuhört, um zu lernen.

Das Freie UniExperiment“ als Friedensinitiative in einer demokratischen Zivilgesellschaft

So führt die Frage, was Lernen eigentlich ist, direkt zur Projektbeschreibung.

Denn das Projekt ist durchgehend eine Manifestation der Frage: Was ist Lernen ?

Aus den individuellen Antworten der Studenten auf diese Frage entsteht erheblicher Nutzen für die Gesellschaft ! Denn die zwei wesentlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für die Beantwortung der Frage „was ist Lernen ?“ notwendig sind, sind gleichzeitig notwendige Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben in einer Gesellschaft:

Selbstbestimmung und Selbstorganisation.

Selbstbestimmung und Selbstorganisation fordern beide: Hören.

Selbstbestimmung setzt das Hören auf mich selbst voraus.
Denn ohne das Hören auf mich selbst wüsste ich weder worüber ich selbst, noch was ich selbst bestimmen sollte.
Selbstorganisation setzt das Hören auf andere voraus. Denn immer werde ich auch in meinem selbstbestimmten Lernprozess auf das Du stoßen: als Gesprächspartner, Dozent, Lehrer, Mitstudent…

Wenn Selbstbestimmung und Selbstorganisation unverzichtbare Fundamente des freien, selbstbestimmten Lernens sind, so wird durch freies, selbstbestimmtes Lernen demokratische Kultur eingeübt. Denn Selbstbestimmung und Selbstorganisation sind Kernelemente freien Lernens ebenso wie Kernelemente der Demokratie.

So will und soll die Freie Uni zutiefst friedensstiftend und die demokratische Zivilgesellschaft stärkend und erhaltend sein und wirken.

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