Was mich antreibt – von Emil

Die meiste Zeit meines Lebens habe ich wohl bisher damit verbracht zu warten. Ich habe jeden Tag in der Schule darauf gewartet, das sie endlich vorbei ist. Ich habe jede Woche aufs Wochenende gewartet und jedes Jahr auf die Ferien. Die ganze Zeit habe ich darauf gewartet, dass die Schule endlich vorbei ist und mein Leben beginnt. Aber nicht nur in der Schule habe ich gewartet.

Das stärkste Gefühl, dass ich kenne, ist Sehnsucht. Mein Leben lang schon lebe ich in Er-WARTUNG. In Erwartung darauf, dass etwas passiert. Ich warte und warte auf den Tag, der mein Leben verändert. Der Tag, an dem mein wirkliches Leben beginnt. Der Tag, an dem ich mich traue ich selbst zu sein und beginne wirklich zu leben. So stark wird das Gefühl der Erwartung, der Sehnsucht, das es mich manchmal Abends vor dem einschlafen fast zerreißt. Manchmal wache ich morgens auf und habe Angst, dass dieser eine Tag eigentlich gestern war und dass ich nun alles verpasst habe.

Soweit ich mich zurückerinnern kann, hatte ich immer das leise Gefühl, dass die Menschen nicht so weiterleben können, wie sie es jetzt tun. Und auch die Ahnung, dass das eigentlich alle wissen, auch wenn es keiner wissen will. Dass wir, auch wenn wir vielleicht das Gegenteil glauben, alles geben, um besser zu leben als unsere Kinder. Also habe ich mir immer Veränderung gewünscht.

Jetzt weiß ich, dass es vielleicht nicht darauf ankommt an einem Tag den großen Sprung ins richtige Leben zu schaffen. Eher durch Zufall habe ich von einer Freundin vom freien Uniexperiment erfahren und davon, dass sie und einige Schüler und Studenten planen quer durch Deutschland nach Berlin zu wandern und auf dem Weg Schüler nach ihren Wünschen zu fragen. Es war ein kleiner Schritt zu entscheiden, mal ein Wochenende mit zu wandern. Ein weiterer kleiner Schritt das nächste Wochenende wieder hin zu fahren. Und noch ein kleiner Schritt zu sagen, dass ich noch ein bisschen länger dabei bleibe. Es waren viele kleine Schritte bis wir dann schließlich in Berlin waren. Und trotzdem war es die größte Sache, bei der ich jemals dabei war. Weil ich mich selbst verändert habe. So sehr verändert habe, wie nie zuvor. Weil wir als Gemeinschaft ein Ziel hatten und jeden Tag über uns hinaus gewachsen sind. Ich habe so viel Neues gesehen und erlernt. Ich weiß jetzt welche Pflanzen man essen kann und habe keine Angst mehr Menschen nach dem Weg zu fragen. Ich habe begonnen das Land, in dem ich lebe und die Menschen darin zu lieben und einfach auf die Welt zu vertrauen, denn wir haben jeden Tag eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden, auch wenn wir oft Abends noch nicht wussten wo die sein würde.

Ich habe so viel Mut bekommen, dass ich danach gesagt habe, dass ich beim freien Uniexperiment mitmachen will.

Und ich habe Hunderte von Schülern und Lehrern und auch einige andere Menschen auf unserem Weg nach ihren Wünschen gefragt und sie diese aufschreiben lassen. Und jetzt weiß ich, dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken. Dass es Tausende von Schülern und Lehrern und Millionen von Menschen in diesem Land geben muss, die sich allesamt eine ganz andere Welt wünschen. Die alle eigene Träume und Wünsche haben und eigene Ideen und Vorstellungen, wie man diese verwirklichen könnte.

Jetzt vertraue ich darauf, dass die Welt sich verändern wird. Es fehlt vielleicht nur noch ein Funke. 

 

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2 Kommentare zu “Was mich antreibt – von Emil

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