Was uns eint – von Emil

Was uns eint:

1. Wir wollen anhand von realen Aufgaben, Problemen und Herausforderungen lernen, um in der heutigen Welt zu wirken.

2. Wir wollen selbstbestimmt lernen.  Wir wollen selbst festlegen welche Inhalte und auf welche Art und Weise wir diese Inhalte lernen.

3. Wir wollen in Gemeinschaft leben und lernen.

Unser Studium ist also ein kollektiv-individual-Projekt-Studium

Langfassung:

Achtung! Dieser Text ist so spannend und verständlich wie die Gebrauchsanweisung für IKEA Möbel. Nur für philosophische Nachteulen, die sich an umständlichen Worten und der genialen Strukur (man achte auf die Nummerierungen) erfreuen. Für alle Andern: Die spannenden Punkte sind 2 und 2.4.1.1 und ansonsten: Macht lieber was, anstatt immer nur darüber zu lesen, wie man es machen sollte!

Grundsätze einer freien Universität

Präambel:

Bildung spielt in der Gesellschaft und in den Prozessen einer sich verändernden Welt eine zentrale Rolle. Die Form und die Art und Weise von Bildung, die heute in Schulen und Universitäten Deutschlands überwiegend vermittelt wird, kann jedoch den aktuellen Herausforderungen vor denen unsere Gesellschaft steht nicht mehr gerecht werden. Tatsächlich glauben wir, dass das aktuelle Schulsystem (mit seiner dogmatischen Fokussierung auf die Wiedergabe von Faktenwissen in Stresssituationen, durch die Kategorisierung von Kindern in Gute und Schlechte, durch das irrationale Beharren auf Konkurrenzdruck und durch die fehlende Förderung von zwischenmenschlichen Fähigkeiten, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung), weder das Glück Einzelner, noch das Gemeinwohl, effektiv fördert.

Tatsächlich ist das heutige Schulsystem, das eingeführt wurde, um den Menschen ein Mindestmaß an Bildung zukommen zu lassen, damit die Wirtschaft sich in optimaler Weise entwickeln konnte, einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die vielen heutigen Probleme und Herausforderungen, mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht, nicht gelöst wurden und werden. Darum wollen wir versuchen eine neue Form von Bildung experimentell zu leben, um inmitten der Gesellschaft neue Möglichkeiten des Miteinanderlebens und -lernens auszuprobieren und aufzuzeigen.

Grundlegende Prinzipien:

1. Wir streben danach all unseren Handlungen das Prinzip der Demut zugrunde zu legen. Demut vor der Unterschiedlichkeit der Menschen und der Einzigartigkeit des Einzelnen. Demut als ständig Offenheit gegenüber Neuem und einer staunenden und wundernden Grundhaltung gegenüber dem noch Unbekanntem.

1.1. Aus der Demut vor der Unendlichkeit der Möglichkeiten folgt das Bewusstsein, das der eigene Weg nur ein Weg unter vielen ist und nicht der einzig mögliche oder der unter allen Umständen und für alle beste.

1.1.1. Darum glauben wir weder an eine perfekte Lernmethode noch an einen perfekten Lerninhalt. Stattdessen gehört das Herausfinden der Art und Weise wie und was man am besten lernt zum eigentlichen Lernprozess. Weder Lerninhalte noch Lernmethoden werden daher vorgegeben, sondern von den Lernenden selbst gewählt. Die Universität sollte nur den Raum für möglichst viele Möglichkeiten bieten, frei nach dem Grundsatz: „Alles was man denken kann, ist auch möglich.

1.1.2. Daraus folgt außerdem, dass alle weiteren hier dargestellten Vorstellungen (vor allem ab dem zweiten Punkt) weder für alle zwingend, noch ewig fest sind, sondern vielmehr von jedem Einzelnen neu überdacht und verändert werden können und somit einem ständigen Prozess und Veränderung unterworfen sind.

1.1.2.1. Mindestens einmal wöchentlich sollte darum eine gemeinsame Reflektion über Grundsätze, Lernmethoden, Lerninhalte und Ähnliches stattfinden

1.2.Wenn es keine für alle Menschen perfekte Lernmethode gibt, dann darf auch die Universität keine starre Struktur haben, sondern muss selbst ein Prozess sein, der sich ständig weiterentwickelt und offen ist für alle neuen Heraus- und Anforderungen. Es hat sich herausgestellt, dass Stillstand und automatisierte Prozesse für den Menschen grundsätzlich ruinös sind. Darum kann auch ein Mensch in einer sich verändernden Welt nur dann Zufriedenheit erreichen, wenn er sich selbst verändert, das heißt, wenn er lernt. Darum ist jeder Mensch Zeit seines Lebens Lernender. Aus dieser Prozessorientierung entsteht auch die Freiheit das Uni-Experiment, wenn nicht anders möglich, scheitern zu lassen.

2. Wir definieren Bildung neu (frei nach Otto Herz): Bildung ist das nachhaltige Bemühen, den Menschen und die Welt zuerst verstehen zu wollen und dann so verändern zu wollen, dass die Welt lebens- und liebenswert wird und bleibt.

Erläuterungen zu 2: Diese Definition von Bildung enthält drei grundsätzliche Elemente. Zuerst einmal ist Bildung eine Grundhaltung, die jeder Mensch lernen und immer wieder neu lernen kann und sollte. Diese Grundhaltung ist eigentlich jedem Menschen von Geburt an eigen, durch die uns mitgegebene Neugier, unserem Bedürfnis etwas zu gestalten und unserem Bedürfnis in einem sozialem Umfeld zu leben, zu lieben und geliebt zu werden. Nur werden diese Grundbedürfnisse durch Gesellschaft und Schule immer wieder unterdrückt und mir schlechten Erfahrungen verbunden, bis von der Entdeckerfreude, der Gestaltungslust und der Fähigkeit zu lieben nicht mehr viel übrig ist. Es geht also in einer echten Bildung zunächst einmal darum diese Grundhaltungen des Menschen zu bewahren und zu fördern, denn es kann keine bessere Grundvoraussetzung dafür geben, dass ein Mensch glücklich wird, als dass er sich diese Haltungen zu eigen macht, denn dann wird er alle weiteren Voraussetzungen und Fähigkeiten, die er braucht, selber lernen. Das zweite Element besteht daraus die Welt und den Menschen tatsächlich zu verstehen. Es geht also darum sich natur- oder geisteswissenschaftliches Wissen anzueignen.

Zuletzt geht es darum das Gelernte tatsächlich auch in der realen Welt anzuwenden, das Verstandene zu verinnerlichen und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln, um als Teil einer sich verändernden Welt so zu wirken, wie man es sich auf der Grundlage des Verstandenen erhofft.

2.1. Wird Bildung in diesem Sinn verstanden, so wird sie zum eigentlichen Ursprung aller Veränderung in der Welt. Weder beginnt Bildung mit der Schule, noch hört sie nach der Schule oder Universität auf. Stattdessen lernen wir unser Leben lang. Alle Prozesse, die wir als Menschen beginnen, gehen von unserer Bildung aus und hängen von ihr ab. Darum sind auch alle Menschen wechselseitig Lehrende und Lernende.

2.2. Für eine solche Bildung ist es das wichtigste Ziel die lebendige Grundhaltung des Menschen zu erhalten und zu fördern. Diese findet ihren Ausdruck in der Entdeckerfreude, der Gestaltungslust und vor allem in der Begeisterungsfähigkeit eines Menschen. Wir glauben, dass jedes Individuum zur freien Entfaltung seines kreativen Potenzials berufen ist. Dazu muss der Lernort, der immer auch ein Lebensort ist, und die gesamte Lernsituation so beschaffen sein, dass der Lernende sich seiner Umwelt und Neuem öffnen kann.

2.3. Eine solche Bildung bedeutet, dass am Leben gelernt wird.

2.3.1. Darum ist es für uns besonders wichtig, dass direkt in einer Gemeinschaft gelernt wird. Nur durch das gemeinschaftliche Bewältigen von Aufgaben können zwischenmenschliche Fähigkeiten wie Affektkontrolle, eine feinfühlige Wahrnehmung der Anderen effektiv gelernt werden. Wir setzten auf auf ein kooperatives Lernen statt Konkurrenzdenken. Schon allein darum verzichten wir auf Noten im herkömmlichen Sinn.

2.3.2. Um Selbstvertrauen entwickeln zu können, braucht es vor allem Selbstwirksamkeit. Das heißt Menschen müssten um ihre eigenen Fähigkeiten wissen und und auch das Gefühl haben, dass sie in der Gemeinschaft, in der sie leben, wichtig sind und etwas zum Erhalt dieser Gemeinschaft beitragen. Dazu gehört auch eine möglichst große Eigenverantwortlichkeit. Darum wird von Anfang an so weit wie möglich an realen Aufgaben gelernt. Möglichst alle anfallenden Aufgaben (wie z.B. Kochen, Putzen, Spendenakquise, Auswahl der Lernmethoden oder Lernmaterialien, Organisation, Verwaltung, …) werden von den Lernenden erledigt. Statt fiktiver Planspiele wird versucht reale Projekte ins Leben zu rufen, für die auch längerfristig Verantwortung übernommen werden muss.

2.3.3. Aus unserem Selbstverständnis diese neue Form von Bildung in einer Gesellschaft zu leben, um neue Möglichkeiten aufzuzeigen und somit auch verändernd zu wirken, entsteht eine Verantwortung sowohl der Gesellschaft, als auch der Universität gegenüber. Nicht nur in bildungspolitischer Hinsicht, sondern auch in anderen Bereichen wie Umwelt, Politik, Konsumverhalten und Ähnlichem versuchen wir durch bewusstes Handeln zu einer nachhaltigen Lösung der aktuellen Probleme beizutragen.

2.4. Eine solche Bildung bedeutet, dass fürs Leben gelernt wird.

2.4.1. Das wichtigste Ziel von Bildung ist es Menschen die Fähigkeiten zu vermitteln, um glücklich zu werden und zum Glück von Anderen beitragen zu können. Es geht darum die Welt zu verstehen und gestaltend wirken zu können. Das bedeutet, dass neben dem Faktenwissen vor allem auch Persönlichkeitsentwicklung ein Lernziel darstellen kann.

2.4.1.1. Weitere Lernziele könnten sein (wieder frei nach Otto Herz): Wissensdurst, Verstehenshunger, Entdeckerfreude, Erlebnislust, Spürsinn, Ehrfurcht, Wachsamkeit, Achtsamkeit, Verantwortungsgefühl, Visionswillen, Wagemut, Risikobereitschaft, Unternehmenslust, Selbstwirksamkeit, Einmischungskompetenz, Zivilcourage, Humanität und Solidarität.

2.4.2. Um in der immer komplexer werdenden Welt auch heute noch mündiger Bürger zu sein, braucht es ein breit gefächertes interdisziplinäres Wissen. Sowohl weiterführende Kenntnisse in den Naturwissenschaften, als auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften sind heute nötig, um bei den täglichen Handlungen Entscheidungen treffen zu können, die dem eigenen Wohl und dem Gemeinwohl förderlich sind.

2.5. Eine solche Bildung sollte möglichst unabhängig von Staat und Wirtschaft und trotzdem für alle Menschen (finanziell) möglich sein.

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