Funkenfluglauf 2013

 

In drei Wochen geht es für mich wieder los, um die Bildungslandschaft in Bewegung zu versetzten: Zu Fuß nach Berlin. Hier mal ein Text darüber, wie sich das letztes Jahr angefühlt hat:

Der Lauf 2013 – von Emil

 

Obwohl wir überhaupt keIMG_0822ine Ahnung hatten, ob und wie das mit dem nach Berlin laufen funktionieren könnte, war die Idee nicht mehr aufzuhalten. Und so kam es, dass im Mai 2013 von Freiburg aus eine erste Gruppe einfach loslief. Ohne große Planung, ohne zu wissen, wo genau wir lang laufen würden oder wo wir Abends schlafen würden. Nur mit der Hoffnung, dass wir in sechs Wochen in Berlin sein würden und mit dem Wissen, dass etwas später auch von anderen Städten Gruppen starten würden.

Ich selbst bin losgezogen, mit der Vorstellung, dass wir da so etwas wie eine besonders auffällige Demonstration machen. Ich habe mir erträumt, wie wir nach Berlin marschieren würden, auf dem Weg die Forderungen der Schüler einsammeln und dann mit Tausenden anderen Schülern in Berlin eintreffen und unsere Abertausende von gesammelten Wünschen dem Bundespräsidenten oder dem Bundestag überreichen.

Aber als wir dann in den vielen Schulen, die wir auf dem Weg spontan besuchten, die Schüler und Lehrer nach ihren Wünschen fragen, hat sich meine Vorstellung völlig gewandelt. Weil mir bewusst wurde, dass wir viel weniger Forderungen einsammeln, als viel mehr den Mut zum Träumen wecken.

Wer einmal das lebendige Geschnatter eine Grundschulklasse erlebt hat, die gerade ihre Wünsche aufgeschrieben hat, die überbrodelt von Ideen und Vorschlägen und wer einmal danach die Wünsche betrachtet hat, der weiß, dass die Politik oder ein einheitliches politisches System niemals der Vielfalt dieser Wünsche gerecht werden könnte. Dass es gerade nicht darum gehen kann wieder eine neue Reform von „oben“ durchzusetzen, weil Schüler viel zu lange die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen alles vorgeschrieben wird und dass die Wünsche danach schreien, endlich wieder selber zu bestimmen und zu gestalten.

So habe ich gelernt nicht gleich Antworten zu geben, sondern erst einmal Zuzuhören. Und habe mit der Zeit immer erstaunter festgestellt, dass ich nicht alleine bin mit meinen Träumen. Dass es viel mehr Menschen gibt, als ich immer dachte, die, wenn sie auch alle unterschiedlichste Ideen und konkrete Vorstellungen haben, doch geeint sind durch den festen Glauben daran, dass diese Welt in ihrem Grundsatz schöner sein könnte. Und so haben wir, glaube ich, dadurch, dass wir bei anderen, den Mut zum Träumen wecken, selber den Mut zum Handeln bekommen.

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Ich glaube wir alle haben dieses nach-den-Wünschen-fragen mit der Zeit auch immer mehr in die Gruppe und auch nach dem Lauf in unser Leben miteingebracht. Wir haben bemerkt, wie hilfreich es oft ist, dass jeder Zeit bekommt, zu sagen, was er sich wünscht und dass man danach oft gar keine Diskussion mehr braucht.

Auch ist mir klar geworden, dass wir durch den Lauf, bessere Bildung nicht nur fordern, sondern vor allem schon leben. So viel gelernt, wie bei der Wanderung habe ich wohl niemals zuvor.

Nicht nur, dass ich jetzt weiß, dass man Lindenblätter essen kann und Breitwegerich gut gegen Blasen ist oder das ich Karten lesen gelernt habe und auf einmal die Geographie Deutschlands kenne. Vor allem habe ich viele solche Dinge gelernt, die sich gar nicht in einfach mit Worten beschreiben lassen. Ich habe jetzt zum Beispiel keine Angst mehr Menschen nach dem Weg zu fragen. Ich habe gelernt andere Menschen um Hilfe zu bitten und mir ist irgendwann aufgefallen, dass man dabei oftmals sogar die Menschen, die man um Hilfe fragt glücklicher macht.

Wir wollten kein Geld ausgeben für Übernachtungen und haben jeden Abend spontan nach Übernachtungsmöglichkeiten gesucht. Und so habe ich die Menschen in unserm Land wahrlich lieben gelernt. Jede Nacht haben wir einen Schlafplatz gefunden. Bei Bauern in der Scheune, bei Pfarrern im Pfarrhaus, bei Nonnen im Kloster, bei Privatpersonen, in Schulen, in Turnhallen, einmal sogar in einem Schloss. So viel Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. ist uns begegnet. Ich habe Vertrauen gelernt, dass man selbst in einer noch so ausweglos erscheinenden Situation eine Lösung findet oder einen Menschen, der einen hilft.

Und auch bei all diesen Begegnungen war es toll nicht zu sagen „Das und das sind unsere Forderungen“ sondern zu fragen „Was wünscht du dir?“ und dadurch zu erfahren, was all diese Menschen, wirklich beschäftigt und was ihre Bedürfnisse und Wünsche sind.

Und so wurde uns nach einigen Übernachtungen bei Bauern immer bewusster, dass wir versuchen wollen nicht nur die billigen, sondern gute und regionale Lebensmittel zu kaufen. Auch wenn wir uns am Anfang im Supermarkt immer wieder daran erinnern mussten.

Auch habe ich in der Gruppe nach einigen Tagen bemerkt, dass es nichts bringt die Konkurrenzhaltung, die ich aus der Schule gewohnt war, bei zu behalten. Dass es nichts bringt, wenn man den leichtesten Rucksack hat und ständig auf die anderen warten muss. Man fängt an nicht als ich, sondern als Gruppe zu denken. Nicht: „Habe ich genügend zu trinken eingepackt“ oder „ich brauche eine Pause“, sondern: „Haben wir genug zu trinken dabei“ und „ ich schaffe noch eine Stunde, gibt es jemanden, der vorher eine Pause braucht“.

Ich erinnere mich an so viele lustige Spiele, die wir oft erst erfunden haben und verrückte Aktionen mitten in der Stadt. An so viele Witze und Insider, die entstanden sind und die dann ständig im Umlauf waren. An das Schmücken von Rucksäcken mit Unmassen von Blumen oder mit Schilfrohren. An riesige Raufereien mit den aufgesetzten Rucksäcken als Waffe.

Ich erinnere mich wie es war, einen Tag lang Blind zu laufen und ganz einer Stimme zu vertrauen, die mir in wunderbar schlechten Englisch (weil wir nämlich am selben Tag auch noch einen Englischtag eingerichtet hatten) versuchte zu erklären, wie ich über jenen Baum zu klettern hatte und ich selbst ohne Hemmung in wunderbar schlechtem Englisch geantwortet und geflucht habe, weil mir mein Englisch so lange ich blind war und die andern nicht sehen konnte, irgendwie nicht mehr peinlich war.

Oder auch, wie wir am plastikfreien Tag einen ganzen Jahrmarkt nach etwas Essbaren ohne Plastik abgesucht haben und uns schließlich die halbe Stadt kannte und der Bürgermeister uns in die Turnhalle der Stadt eingeladen hat.

Am meisten Verändert, hat sich wahrscheinlich bei mir selbst.

Losgezogen, war ich mit der Vorstellung, dass Schule scheiße ist und mit einer Idee von einer perfekten Schule, die überall umgesetzt werden sollte. Als ich angekommen war, waren diese Vorstellung und Ideen nur noch ein Scherbenhaufen. Gewonnen habe ich, eine viel grundsätzlicheres Vertrauen in die Welt, eine Portion Mut, einen Haufen neuer Freunde, die Erinnerung an die bisher intensivste und schönste Zeit meines Lebens und ein neues Gefühl, namens Demut. Demut vor all den Wünschen und Ideen, die ich von anderen gehört habe. Jetzt will ich nicht mehr meinen Traum für alle verwirklichen, sondern helfen verschiedenste Träume zu verwirklichen. Ich möchte lernen Mut zu machen, die eigenen Träume zu leben. Ich möchte Strukturen schaffen, die offen sind für Veränderungen und die Wünsche der Menschen.

Vielfalt statt Einfalt, so könnte man diese Erkenntnis vielleicht nennen.

 

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Was mich antreibt – von Emil

Die meiste Zeit meines Lebens habe ich wohl bisher damit verbracht zu warten. Ich habe jeden Tag in der Schule darauf gewartet, das sie endlich vorbei ist. Ich habe jede Woche aufs Wochenende gewartet und jedes Jahr auf die Ferien. Die ganze Zeit habe ich darauf gewartet, dass die Schule endlich vorbei ist und mein Leben beginnt. Aber nicht nur in der Schule habe ich gewartet.

Das stärkste Gefühl, dass ich kenne, ist Sehnsucht. Mein Leben lang schon lebe ich in Er-WARTUNG. In Erwartung darauf, dass etwas passiert. Ich warte und warte auf den Tag, der mein Leben verändert. Der Tag, an dem mein wirkliches Leben beginnt. Der Tag, an dem ich mich traue ich selbst zu sein und beginne wirklich zu leben. So stark wird das Gefühl der Erwartung, der Sehnsucht, das es mich manchmal Abends vor dem einschlafen fast zerreißt. Manchmal wache ich morgens auf und habe Angst, dass dieser eine Tag eigentlich gestern war und dass ich nun alles verpasst habe.

Soweit ich mich zurückerinnern kann, hatte ich immer das leise Gefühl, dass die Menschen nicht so weiterleben können, wie sie es jetzt tun. Und auch die Ahnung, dass das eigentlich alle wissen, auch wenn es keiner wissen will. Dass wir, auch wenn wir vielleicht das Gegenteil glauben, alles geben, um besser zu leben als unsere Kinder. Also habe ich mir immer Veränderung gewünscht.

Jetzt weiß ich, dass es vielleicht nicht darauf ankommt an einem Tag den großen Sprung ins richtige Leben zu schaffen. Eher durch Zufall habe ich von einer Freundin vom freien Uniexperiment erfahren und davon, dass sie und einige Schüler und Studenten planen quer durch Deutschland nach Berlin zu wandern und auf dem Weg Schüler nach ihren Wünschen zu fragen. Es war ein kleiner Schritt zu entscheiden, mal ein Wochenende mit zu wandern. Ein weiterer kleiner Schritt das nächste Wochenende wieder hin zu fahren. Und noch ein kleiner Schritt zu sagen, dass ich noch ein bisschen länger dabei bleibe. Es waren viele kleine Schritte bis wir dann schließlich in Berlin waren. Und trotzdem war es die größte Sache, bei der ich jemals dabei war. Weil ich mich selbst verändert habe. So sehr verändert habe, wie nie zuvor. Weil wir als Gemeinschaft ein Ziel hatten und jeden Tag über uns hinaus gewachsen sind. Ich habe so viel Neues gesehen und erlernt. Ich weiß jetzt welche Pflanzen man essen kann und habe keine Angst mehr Menschen nach dem Weg zu fragen. Ich habe begonnen das Land, in dem ich lebe und die Menschen darin zu lieben und einfach auf die Welt zu vertrauen, denn wir haben jeden Tag eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden, auch wenn wir oft Abends noch nicht wussten wo die sein würde.

Ich habe so viel Mut bekommen, dass ich danach gesagt habe, dass ich beim freien Uniexperiment mitmachen will.

Und ich habe Hunderte von Schülern und Lehrern und auch einige andere Menschen auf unserem Weg nach ihren Wünschen gefragt und sie diese aufschreiben lassen. Und jetzt weiß ich, dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken. Dass es Tausende von Schülern und Lehrern und Millionen von Menschen in diesem Land geben muss, die sich allesamt eine ganz andere Welt wünschen. Die alle eigene Träume und Wünsche haben und eigene Ideen und Vorstellungen, wie man diese verwirklichen könnte.

Jetzt vertraue ich darauf, dass die Welt sich verändern wird. Es fehlt vielleicht nur noch ein Funke. 

 

Wie lässt sich menschliche Bildung verwirklichen? – von Emil

Wie kann man Menschen wirklich bilden? Das ist in ihrem Kern die selbe Frage wie „Wie kann man einen Freiheitsimpuls in die Menschen setzten?“ oder auch „Wie gibt man Menschen den Mut zu seien, wer sie sind?“ oder „Wie kann man echte Veränderung bewirken?“, denn ich habe mir der Zeit immer öfters die Erfahrung gemacht, dass nur Veränderung, die von innen kommt, wirklich nachhaltig ist und dann auch nach außen wirkt.
Kann man Menschen überhaupt bilden? Ist nicht jeder Versuch Menschen bilden zu wollen, nicht schon der Versuch sie zu formen und ihre eigene Bildung damit einzuengen? Welche Möglichkeiten gibt es dann Menschen in ihrem Bildungsprozess zu unterstützen?

Ich will mir selbst alle Fähigkeiten zu eigen machen, die ich glaube als Lehrer brauchen zu können, meine eigene Lehrerausbildung schaffen.

Theorie

Ich will mich noch tiefergehender mit der Frage „Was ist Bildung?“ beschäftigen?
Ich will herausfinden, warum die Menschen so sind, wie sie sind und wie sie sein könnten? Ich will die Welt wie sie ist verstehen und sehen welche Möglichkeiten es gibt.

Ich will mich mit Philosophie, Soziologie, Wirtschaft, kritischer Psychologie beschäftigen und außerdem Bildungskonzepte und Theorien kennenlernen. z.B. von Janusz Korczak, Jesper Juul, Montessori und Manfred Spitzer.

Dann will ich den Lehrerberuf in seiner heutigen Form selbst in Frage stellen und fragen, wie den Schulen und Unis der Zukunft aussehen könnten? Darum ist auch das Uni-Experiment selbst Teil meines Studiums. Ich will herausfinden, was ich als guter Lehrer für Fähigkeiten und Eigenschaften brauche und mir dann diese aneignen.

Praxis

 Meine Erkenntnisse aus der Theorie will ich auch gleich versuchen zu leben. Weil ich das Gefühl habe, in meiner bisherigen Schul- und Unilaufbahn immer nur Theorie betrieben zu haben, ohne jemals wirklich dazu aufgefordert war, diese Erkenntnisse auch um zu setzten, habe ich einiges nachzuholen und darum habe ich beschlossen meinem Studieninhalt für das nächste halbe Jahre den Namen „praktisches Philosophiestudium“ zu geben.

Ich will mich konkret für bessere Bildung einsetzten. Dabei spielen Funkenflug und das Uni-Experiment eine große Rolle.

Hier findest du Projekte und Projektideen für das nächste halbe Jahr:

Wanderschule

Ich träume von einer wandernden Schule. Einer Gruppe von (Lehramts-)Studenten und Schülern, die sich im Frühling aufbrechen und den Sommer über unterwegs sind. Die gemeinsam und voneinander lernen. Die Schulen unterschiedlichster Art besuchen und so verschiedene Art und Weisen zu lernen und zu lehren kennenlernen. Und gleichzeitig zum Austausch zwischen den Schulen beitragen. Die auch zu Projekten und inspirierenden Ort wandern, wo sie eine Zeit lang verweilen, lernen und mitarbeiten können.

Konzept ausbauen und Unis und Schulen fragen, ob sie mitmachen wollen
Eine Gruppe initiieren, in der Studenten und Schüler gemeinsam lernen.
Ein Netzwerk von Schulen schaffen, die sich an einer Wanderschule oder einem Wanderaustausch von Schülergruppen beteiligen
Projekte in das Netzwerk einbinden, die von den Schülergruppen angelaufen werden können ( Z.B. Bauernhöfe, Ökodörfer)
Schulen besuchen
An alle Schulen in Stuttgart gehen, die Schüler nach ihren Wünsche fragen, einladen aktiv zu werden und nächstes Jahr bei Funkenflug mitzulaufen.
Lustige Aktionen an Schulen machen
An dem Buch, Internetseite und Film über Funkenflug mitarbeiten
Kontakt zur Uni und Studenten aufbauen

Und hier noch eine Liste mit Fähigkeiten und Eigenschaften, die ich glaube brauchen zu können und mir gerne aneignen würde:

Gute Kenntnisse in Landwirtschaft

Grundkenntnisse Biologie und Chemie

Handwerkliches: Schreinern, Renovieren, Schweißen

Grundkenntnisse Maschinenbau

Weltverständnis: Wie funktioniert die Welt und wo kann man ansetzen um wirksam und sinnvoll zu handeln?

Demut

Ehrfurcht

Gute Philosophische Kenntnisse und eigenes Philosophiesystem

Gute Soziologische Kenntnisse

Gutes Politikverständnis

Gute wirtschaftliche Kenntnisse

Psychologische und Neuronale Kenntnisse

Bildungskonzepte: Schulmodelle und Theorien zur Bildung

Englisch

Spanisch

einigermaßen Singen können und einige Lieder kennen

Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit gewinnen

gute Rhetorik

und ganz wichtig: Geduld